WCTD: Mike, vielen Dank, dass du dir für uns die Zeit nimmst.
Fangen wir an. Seit wann bist du als Gastronom tätig?
Mike: Hi. Kein Problem. Die Zeit nehme ich mir gerne.
Also in der Gastronomie bin ich schon seit 28 Jahren tätig. Ich habe in einer Discothek namens Logo als Barkeeper, das war damals ein ziemlich legendärer Indie-Tanzschuppen, gejobt und seit 1992 leite ich das MEPHISTO in der Altstadt.
WCTD: Du sagst während deiner Studienzeit, was genau hast du studiert? Hast du dein Studium für die Gastronomie abgebrochen?
Mike: Ich habe mein Studium in Geschichte und Journalismus mehr oder weniger für die Gastronomie „abgebrochen“.
Was mir von Anfang an Spaß machte an der Gastronomie, ist der Umgang mit Menschen. Du bist nah dran am Geschehen. Verschiedene Persönlichkeiten, verschiedene Existenzen und Geschichten. Das hat verlockt. Natürlich auch die Liebe zur Musik und selbstverständlich zu den Frauen. Aber über allem thronend war es ein Akt der Selbstverwirklichung. Das Gefühl etwas einzigartiges zu schaffen, vielleicht ein Lebenswerk?!
WCTD: Erstaunlich.
Mike: Ja, was auch kaum einer weiß, ich bin gelernter Werkzeugmacher. Ein Industrieberuf. So richtig mit stampfenden Maschinen und öliger Luft. Habe dann im 2. Bildungsweg mein Abitur nachgeholt und in Bonn angefangen zu studieren..So war das.
WCTD: Aus Sicht eines Koblenzers, kann man froh, dass du den Weg aus der Uni hin zur Gastronomie gefunden hast.. ;-) Das MEPHISTO lockt neben freundlichen Personal und dem speziellen Gustaf-Gründgens-Mephisto-Charme auch mit Musik, speziell Rockmusik.
Ist die Art Rock die du laufen lässt, auch deine Lieblingsmusik?
Mike: Ja schon! Zwar beherrsche ich kein Instrument, liebe jedoch Musik. Leider, so ist der Lauf der Zeit, kann ich mich mit dem aktuellen Rock, Indie, Punk usw. zwar immer wieder anfreunden, jedoch nicht rückhaltlos lieb gewinnen. Den Preis den ich für meinen Erfolg zahlen musste war, dass mir Musik insgesamt nicht mehr vorbehaltlos Freude bereitet. Man bekommt so ein kommerzielles Gehör. Das ist quasi das Ende der kindlichen Naivität mit der man früher genoss. Man erkennt den Kommerz der hinter allem steckt und die Mechanismen des Marktes denen alles unterworfen ist. Die Dinge wiederholen sich. Ich erinnere mich an die Zeit, als Marilyn Manson total angesagt war. Seine Auftritte waren echt krass. Aber was tut der auf der Bühne was Iggy Pop oder die Misfits nicht schon dreissig Jahre früher auf der Bühne an Performance angeboten haben. Vor zwanzig Jahren hießen die dann Sex Pistols, Dead Kennedys oder Gwar. Heute wären das dann Slipknot und morgen....! Fazit, die Namen ändern sich - das Konzept bleibt bestehen. Einzig die Kids denken das Rad wäre neu erfunden worden. Ich versuche halt ein bischen Ausgleich zwischen gestern und heute zu finden- zu vermitteln! In der Bar entscheidet nicht die Live-Performance und nicht das Video sondern die Melodie und die Message.
WCTD: Es wird viel gemunkelt bezüglich deiner zukünftigen Pläne. Fest steht jedoch, das Mephisto gibt es nun seit 30 Jahren und seit 1992 ist es in deinen Händen. Einen Rückblick, wie siehst du die Szeneentwicklung der Mephistogänger an? Würde das Mephisto auch ohne Mike weiterlaufen?
Mike: Zuerst, vielleicht würde das Mephisto besser laufen, wenn ich es nicht betreiben würde. Ich weiss um meine Macken. Aber mal schauen. Mein „Baby“ ist langsam erwachsen und ich werde jemanden Geeignetes finden um es an den Traualtar zu begleiten. ;-)
Weiter, das Mephisto ist quasi eine Generationen-Kneipe. Mittlerweile kommen die Kinder meiner älteren Stammgäste zum Biertrinken vorbei.
Der Bezug zum Publikum ist trotz der wachsender Altersspanne immer noch gegeben. Mit dem Stilbruch gebe ich auch strengen Nichtraucher und Hungrigen, die Chance etwas vom Charme der Elzerhof-Gastronomie mitzunehmen und erreiche quasi ein Rundumsorglospaket.
WCTD: Wie kam es eigentlich, dass du das Stilbruch auf einmal als zweites Lokal eröffnetest?
Mike: Mit dem Vorgängerlokal die WELLE 101,5 hatte ich einige Male ziemlichen Ärger. Aufgebrachte Nachbarn, angepöbelte Gäste und eingeschlagene Scheiben kamen mehr als einmal vor. Also hab ich den Anlauf selbst unternommen. Nichtraucherlokal und Raucherkneipe, Cocktails und frische Snacks auf der Einen und Bier und Kippen auf der anderen Seite der selben Strassenecke. Bindeglied ist die musikalische Ausrichtung. Kopiert, quasi ein MEPHISTO2, hätte ich niemals. Das ist einzigartig. Es würde der gesamten Philosophie zu Wider laufen. Deshalb gibt’s auch kein Franchisekonzept zum Mephisto.
WCTD: Du hast viel Kontakt zu jungen Leuten, kennst noch diverse Subkulturen von vor 20 Jahren. Existieren für dich heute noch Sub-kulturen?
Mike: Klares Nein. Alles wird vermarktet auch Subkulturen etc. In jedem Modemagazin siehst du plötzlich Models mit Irokesenfrisur, Spielerfrauen mit Nieten und Buttons an der Lederjacke usw. Da hat niemand wirklich Schuld dran. Es gibt sie nun einfach nicht mehr. Das ist der Lauf der Zeit und das hat auch was mit der Globalisierung zu tun. Alles wird uns per Web immer schneller näher gebracht. Plötzlich kommt es einem so vor, als ob die USA direkter Nachbar Deutschlands sei. Es wird einfacher aber auch immer oberflächlicher kommuniziert gerade weils so einfach ist. Man muss sich nicht mehr festlegen, für nichts mehr einstehen.
Subkulturen spielen sich heute ausschließlich in den Köpfen ab. Aus viel mehr wird da durch weniger. Plus mal Plus ergibt Minus! Sich dagegen zu stemmen ist die Subkultur. Dazu benötigt man einen Energieaufwand der das Ganze unbequem macht. Und unbequem ist damals wie heute eine Philosophie des Punk. Damals symbolisiert durch Outfit und Musik und heute durch deinen rebellischen Geist und die Eier die du haben musst um Nein zu sagen.
WCTD: Mike, noch mal vielen Dank für deine Beantwortung der Fragen und dass du trotz der gestrigen langen Nacht heute Mittag für uns Zeit hattest.
Tipp: Am 13.11.2010 findet Mikes Party SNATCH einmal mehr im Dreams statt//
